Ostsee im Gegenlicht, Orange

Die Griechen sollen ihre Hausaufgaben machen! (2015)

(1) Fangen wir mit dem Syriza-Bashing an: Am 4.Februar 2015 beschäftigt sich Robert Misik in Le Bohémien mit der Griechenland-Berichterstattung: “Was sich die deutschen Medien – und zwar so ziemlich durch die Bank und völlig unabhängig von der Achse Boulevard/Qualität oder Links/Rechts – in dieser Woche in der Griechenland-Berichterstattung geleistet haben, ist ein schon lange nicht mehr dagewesener Tiefpunkt der Publizistik."
Und Stefan Fuchs fragt sich im Freitag v. 10.3.: „Was ist es nur, dass die mit breiter Mehrheit ins Amt gewählte Athener Regierung in Deutschland solchen Hass auf sich zieht?“ Da wird der neue Finanzminister nach allen Regeln manipulativer Diffamierung als Motorrad fahrender Halbstarker, als unseriöser Sprücheklopfer abgestempelt, insgesamt erscheint die Syriza - Regierung als eine Bande von Geisterfahrern.
100 Tage Schonfrist für eine neue Regierung im Amt? Dieser journalistische Brauch scheint vergessen. Nun mag eine als linksradikal eingestufte Regierung für Mainstream-Produkte wie FAZ oder Spiegel Online ein Rotes Tuch sein, aber dieses reflexhafte Syriza-Bashing muss tiefer gehende Gründe haben.
Die schon genannten Artikel von Stefan Fuchs und Robert Misik ergeben zusammen mit einer dritten Studie (Stefan L. Eichner's Blog) ein differenziertes Bild, die Artikel können aufgerufen werden (Fuchs, Misik).

(2) Die Diffamierung der Syriza-Politiker ist genau kalkuliert: Die Mainstream-Presse versucht den Eindruck zu erwecken, als seien diese "Politik-Amateure" international isoliert; auch in fachlicher Hinsicht. Folglich wird der ökonomische Sachverstand des Finanzministers Varoufakis angezweifelt. Wer der FAZ oder Regierungspolitikern glaubt, muss annehmen, dass Varoufakis gar keine oder nur verschrobene ökonomische Positionen vertritt. Verschwiegen wird dann in den Medien und der politisches Diskussion der Aufruf internationaler Ökonomen, die eine andere Finanz- und Wirtschaftspolitik der EU gegenüber Griechenland fordern. Diese Ökonomen, unter ihnen Namen von internationalem Rang, sehen durchaus eine andere Vorgehensweise gegenüber Griechenland. Man ignoriert solche Verlautbarungen, weil sie nicht zur eigenen Konzeption passen. Eine Liste, die die Namen und Arbeitsplätze der Ökonomen nennt, die diesen Aufruf unterschrieben haben, können Sie hier einsehen.

wird fortgesetzt