Neuzeitliches Denken - heutige Zeit
1. Kritiker
Die ökologischen Folgen der industriellen Naturbeherrschung sind in den letzten Jahrzehnten unübersehbar geworden und haben in Europa die grüne Bewegung ausgelöst. Auf zwei Philosophen aus der vielfälitigen Zahl der Kritiker soll hier verwiesen werden:
- Die US-amerikanische Philosophin Carolyn Merchant mit ihrem Streitschrift Der Tod der Natur. Ökologie, Frauen und neuzeitliche Naturwissenschaft (9) In diesem Buch stellt sie den Wandlungsprozess im Verständnis der Natur vom Mittelalter in die Gegenwart dar. Es ist eine feministische, ökologische Kritik an den neuzeitlichen Phantasien von der Naturbeherrschung und der Folgen. So weist sie in dem Kapitel 7 Gewalt über die Natur nach, dass die Beherrschung der Natur immer einhergeht mit Gewalt und Machtausübung. Dem Streben nach politischer Omnipotenz wird von den dominierenden Industrienationen der sorgsame Umgang mit den Resourcen brutal untergeordnet.
- Hans Jonas: Das Prinzip Verantwortung: Versuch einer Ethik für die technologische Zivilisation. Frankfurt/M. 1979. An Kants kategorischen Imperativ anknüpfend formuliert Jonas einen neuen „ökologischer Imperativ“:(10)
„Handle so, dass die Wirkungen deiner Handlung verträglich sind mit der Permanenz echten menschlichen Lebens auf Erden. Oder
negativ ausgedrückt: Handle so, dass die Wirkungen deiner Handlung nicht zerstörerisch sind für die künftige Möglichkeit
solchen Lebens.“
Der österreichisch-amerikanische Chemiker Erwin Chargaff, der wesentliche Beiträge zur Entschlüsselung der DNA geleistet hat, war auch ein scharfsinniger und unbestechlicher Kriker des wissenschaftlichen Selbstverständnisses der Forschergemeinschaft. Er warf ihr vor, die vielfältige Beziehung des Menschen zur Natur verengt zu haben (11). Die Beziehung des Menschen zur Natur sei schon in der frühen Neuzeit aus der Bahn gelaufen, wie das folgende Zitat von Chargaff deutlich macht:
Ich habe mich [...] viel mit der Frage befasst - ohne sie wirklich beantworten zu können - wann die Menschen aufgehört haben, sich als einen Teil der Natur zu betrachten, wann sie der Natur als eine gleichwertige oder sogar überlegene Macht gegenübertraten.
2. Wissenschaftliche Standards
Im Laufe der Jahrhunderte haben sich Regeln herausgebildet, die für die wissenschaftliche Forschung und ihre Methoden verbindlich sind, unter der Bezeichnung Wissenschaftstheorie sind diese Reflexionen Teilgebiet der Philosophie. Der entsprechende Wikipedia-Artikel gibt Interessierten eine ausführliche Einführung und einleitend folgende Definition zur ersten Orientierung: [Die Wissenschaftstheorie beschäftigt, B.Z.] sich mit den Voraussetzungen, Methoden und Zielen von Wissenschaft und ihrer Form der Erkenntnisgewinnung [...] (Wikipedia) Im folgenden sollen hier aus meiner eigenen Beschäftigung mit wissenschaftstheoretischen Fragen drei Werke vorgestellt werden, die die Bandbreite des Forschungsbereichs recht gut abdecken:
- Thomas S. Kuhns Werk Die Struktur wissenschaftlicher Revolution zeichnet in einem Längsschnitt den wissenschaftllichen Fortschritt nach und kann nachweisen, dass dieser kein Prozess der kontinuierlicher Veränderungen ist, sondern sich in revolutionären Sprüngen, von Kuhn als Paradigmawechsel, bezeichnet, vollzieht. Kuhn kann an markanten Beispielen aufzeigen, dass die Forschungsgemeinde an etablierten Theorien festhält, solange diese sich z bewähren scheinen. Damit ist dieses Buch auch informativ für die Soziologie des wissenschaftlichen Forschens.(12)
- Karl R. Poppers Logik der Forschung ist ein Standardwerk für eine sehr einflussreiche wissenschaftstheoretische Schule, die als Kritischer Rationalismus in die Philosophiegeschichte eingegangen ist. Dieses Werk repräsentiert hier das Modell eines Gesamtentwurfs einer wissenschaftstheoretischen Methodologie. (13)
- Werke - wie das sehr umfangreiche Handbuch der empirischen Sozialforschung- beziehen sich speziell auf eine wissenschaftliche Disziplin, hier die empirische Sozialforschung. Solche Studien gibt es für alle wissenschaftlichen Einzeldisziplinen (Natur, Gesellschaft und Kultur) (14)